Forschungsdatenmanagement bezeichnet alle Maßnahmen, die dazu notwendig sind digitale Forschungsdaten dauerhaft nutzbar zu machen. Als Forschungsdaten werden Daten der wissenschaftlichen und künstlerischen Forschung bezeichnet, die während des Forschungsprozesses generiert, gesammelt, verarbeitet oder analysiert werden. Dazu zählen auch die Forschungsergebnisse und gegebenenfalls benötigten Werkzeuge oder Verfahren, die während des Forschungsprozesses entstanden sind. Allgemein lassen sich Forschungsdaten dadurch klassifizieren, dass sie 1) eine Struktur aufweisen (Textabschnitte, Diagramme, Tabellen, etc.) und 2) einen Mehrwert für andere Forschende darstellen.
Die Bauhaus-Universität Weimar hat am 12.02.2020 die »Leitlinie zum Umgang mit Forschungsdaten« beschlossen, gefolgt von der »Handlungsempfehlung zum Umgang mit Forschungsdaten« am 13.10.2021. Beide Dokumente dienen als Leitlinie und Hilfestellung und bauen auf die Leitlinie und den Kodex der Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zusätzlich hilft Ihnen die Kontaktstelle für Forschungsdatenmanagement an der Bauhaus-Universität Weimar gern bei typischen Anfragen, wie:
- Speicherung, Organisation und Veröffentlichung von Forschungsdaten (FAIR-Prinzipien, 5S Data, 3-2-1-0 BackUp Regeln etc.)
- Feedback zu FDM-Abschnitten bei Projektanträgen (Datenmanagementplan)
- Umgang mit personenbezogenen Daten (1st Level Support in Sachen Datenschutz)
Veranstaltungen
Hier finden Sie eine Auflistung an Veranstaltungen zum Thema Forschungsdatenmanagement, welche über die Jahre über die Kontaktstelle Forschungsdatenmanagement an der Bauhaus-Universität Weimar angeboten wurden. Sie sind geordnet nach Datum und die dazugehörigen Materialien und Veranstaltungsinformationen sind verlinkt. Auf Anfrage können die veranstalteten Workshops auch bei Ihnen an einer Forschungseinrichtung durchgeführt werden.
Wiederkehrende Veranstaltung
- »Forschungsdatenmanagement: Von der Planung und Organisation bis hin zur Veröffentlichung«
Ein Workshop angeboten über die Bauhaus Research School, dessen Inhalte aktuell gehalten werden und halbjährlich auf Deutsch oder Englisch stattfindet. Er beinhaltet die Motivation zu Forschungsdatenmanagement, existierende Leitlinien, den Datenmanagementplan und die Erläuterungen der Modelle zu 5S Data, 3-2-1=0 BackUp Regeln und den FAIR-Prinzipien.
Auswahl vergangener Veranstaltungen mit aktuellen Inhalten (wie Coffee Lectures etc.)
- »FAIRify your Data 2.0« (10.02.2026)
Ein angebotener Workshop über das Netzwerk TKFDM, welcher zuerst die FAIR-Prinzipien erklärt und dann Anhand des TKFDM FAIR Assessment Tools zeigt, wie man einen Datensatz mit den Kriterien bewerten und sich einen Bericht erstellen lassen kann.- Link zu den Veranstaltungsmaterialien.
- »ORCID - Das Anlegen und Pflegen des eigenen Forschungsprofils« (24.09.2025)
Ein angebotener Workshop am Publikationstag der Bauhaus-Universität Weimar. In der Veranstaltung werden die Vorteile von ORCID präsentiert und anhand von Screenshots gezeigt, wie man ein Profil anlegt und welche Möglichkeiten existieren, um neue Inhalte einzubinden.- Link zu den deutschen und englischen Folien.
- »5S Data: Organization is not a 4-letter word!« (30.04.2025)
Eine angebotene Coffee Lecture über das Netzwerk TKFDM, welche sich Anhand des 5S Data Modells mit der Organisation von Forschungsdaten beschäftigt.- Link zu den Veranstaltungsmaterialien.
- »The Data Management Plan –Its purpose and practical exercises« (13.06.2024)
Ein angebotener Workshop zur langen Nacht des Schreibens an der Bauhaus-Universität Weimar. Es wird auf die Inhalte eines Datenmanagementplans eingegangen und anhand des Tools RDMO gezeigt, wie man zusätzliche Hilfe bekommt diesen auszufüllen.- Link zu den englischen Folien.
- »Forschungsdatenbeschreibung - Das Anlegen von Codebooks und Readme-Dateien« (25.01.2023)
Eine angebotene Coffee Lecture über das Netzwerk TKFDM, welche mit Codebooks von Datentabellen und Readme-Dateien von Projekten zeigt wie Dokumentationen angelegt werden können.- Link zu den Veranstaltungsmaterialien.
- »Digitale Daten - Der richtige Typ zu ihrem Format!« (02.11.2022)
Eine angebotene Coffee Lecture über das Netzwerk TKFDM, welche einen Überblick über die Bedeutung von verschiedenen Datenformaten zeigt.- Link zu den Veranstaltungsmaterialien.
- »Plattformen zum kollaborativen Schreiben«(27.10.2021)
Eine angebotene Coffee Lecture über das Netzwerk TKFDM, welche die vier Plattformen SharePoint, Nextcloud, GitLab und Overleaf als kollaborative Plattformen zum Schreiben präsentiert.- Link zu den Veranstaltungsmaterialien.
Überregionale Angebote
Das Thüringer Kompetenznetzwerk Forschungsdatenmanagement (TKFDM), wurde gegründet, um Unterstützung im Bereich FDM für alle Hochschulen in Thüringen anzubieten und bei gemeinsamen Projekten mitzuwirken. Neben diversen Veranstaltungen bietet das Netzwerk ab 2024 auch die Möglichkeit, Data Stewards anzufragen. Diese sollen lokalen Forschungsgruppen helfen, praktische Ergebnisse zu erzielen, indem zum Beispiel Leitlinien etabliert oder Anwendungen aufgesetzt werden. Weiterhin organisiert das TKFDM zusammen mit dem Bibliotheksservicecenter (BSC) und dem IT-Zentrum der Thüringer Hochschulen (HS-ITZ) das Repositorium für Forschungsdaten in Thüringen.
Die Webseite forschungsdaten.info wurde als deutschlandweite Plattform geschaffen, um Materialien in deutscher Sprache zum Thema Forschungsdatenmanagement bereitzustellen. Auf der Plattform befinden sich u.a. Videos, Tutorials und Informationstexte, die sowohl einen Überblick über das Thema erlauben als auch spezifische Fachinformationen enthalten. So wird auch auf bestimmte Fachgebiete eingegangen und es werden auch Projekte und Organisationen vorgestellt, die sich mit dem Thema Forschungsdatenmanagement in verschiedenen Regionen befassen.
Dienste für Hardware und Software werden grundsätzlich über das lokale Rechenzentrum, des Servicezentrum für Computersysteme und -kommunikation (SCC), angeboten. Das IT-Zentrum der Thüringer Hochschulen (HS-ITZ) bietet weitere überregionale Services an, die lokale Forschende an der Bauhaus-Universität nutzen können. Für Anfragen wenden Sie sich bitte weiterhin an das lokale Rechenzentrum, welches Partner des IT-Zentrum ist.
Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) soll die Datenbestände von Wissenschaft und Forschung systematisch erschließen, nachhaltig sichern und zugänglich machen sowie (inter-)national vernetzen. Die Bauhaus-Universität Weimar ist ebenfalls Mitglied des NFDI e.V., um diese Ziele mitzuverfolgen. Der NFDI-Verein lässt sich aus Sicht der Forschenden in zwei Teile aufgliedern. Der erste sind die 27 Fachkonsortien, die über 3 Runden ausgeschrieben und gegründet wurden. Im fachgebundenen Fokus der Bauhaus-Universität Weimar spielen die Konsortien NFDI4Ing, NFDI4Chem, NFDI4Culture, NFDI4Objects, FAIRmat, NFDI-MatWerk, MaRDI, NFDI4DataScience und Text+ eine wichtige Rolle und können bei spezifischen Fragen kontaktiert werden. Der zweite Teil sind die Sektionen, die Querschnittsthemen behandeln, die alle Fachkonsortien betreffen, wie z. B. ELSA, welches als Sektion für ethische, rechtliche und soziale Aspekte steht. Eine Übersicht über alle Bestandteile und Entwicklungen der NFDI finden Sie auf der Projektseite des TKFDM.
Weiterhin existieren die von der DFG geförderten Fachinformationsdienste (FID). Sie stellen eine vorrangig digitale und standortunabhängige Informationsversorgung für den Spezialbedarf der wissenschaftlichen Fächer dar. Auf der Webis-Seite der Universität Hamburg werden alle Fachinformationsdienste bzw. Sondersammelgebiete, aus denen sie oft entstanden sind, aufgelistet. Für den Standort der Bauhaus-Universität Weimar sind die FID BAUdigital, FID move und FID Materials Science in besonderem Maße relevant.
Der Datenmanagementplan
Der Datenmanagementplan (DMP) wird von vielen Förderorganisationen bei Projektanträgen bereits verlangt (Abschnitt »Umgang mit Forschungsdaten«), hält aber auch Einzug bei anderen Projekten und findet immer mehr Anwendung bei Bachelor- oder Masterarbeiten, die ebenfalls für die Forschung wichtige Daten erzielen. Ziel des DMP ist das frühzeitige Erkennen von Problemen beim Umgang mit Forschungsdaten, das Verständnis und die Wiederverwendbarkeit der Daten zu verbessern. Im Folgenden werden die möglichen Inhalte eines DMPs aufgelistet, orientiert am Fragenkatalog der DFG:
Datenbeschreibung
- Auf welche Weise entstehen in Ihrem Projekt neue Daten?
(z.B. durch Messungen, Sammlungen, Umfragen, …) - Werden existierende Daten wiederverwendet?
(z.B. bereits vorhandene Datensätze aus alten Projekten oder von Dritten) - Welche Datentypen, im Sinne von Datenformaten, entstehen in Ihrem Projekt und auf welche Weise werden sie weiterverarbeitet?
(z. B. Texte als .TXT, Tabellen als .CSV, Bilder als .JPG, Videos als .MP4, ...) - In welchem Umfang fallen diese an bzw. welches Datenvolumen ist zu erwarten?
(z.B. 100MB an Textdaten, 100GB an Videomaterial, …)
Dokumentation und Datenqualität
- Welche Ansätze werden verfolgt, um die Daten nachvollziehbar zu beschreiben?
(z. B. Nutzung vorhandener Metadaten- bzw. Dokumentationsstandards oder Ontologien) - Welche Maßnahmen werden getroffen, um eine hohe Qualität der Daten zu gewährleisten?
(z.B. welche Metadaten werden automatisch generiert bzw. von wem regelmäßig geprüft und gepflegt?) - Welche digitalen Methoden und Werkzeuge sind zur Nutzung der Daten erforderlich?
(z.B. eLabFTW für Experimentdaten, SPSS für die Umfragedaten oder MAXQDA für die Datenannotationen)
Speicherung und technische Sicherung während des Projektverlaufs
- Auf welche Weise werden die Daten während der Projektlaufzeit gespeichert und gesichert?
(z.B. wird Speicher des SCC verwendet? Wie sieht die technische Infrastruktur aus? In welchen Intervallen werden die Daten gesichert bzw. liegt ein Sicherungskonzept vor?) - Wie wird die Sicherheit sensibler Daten während der Projektlaufzeit gewährleistet?
(z.B. Zugriffs- und Nutzungsverwaltung)
Rechtliche Verpflichtungen und Rahmenbedingungen
- Welche rechtlichen Besonderheiten bestehen im Zusammenhang mit dem Umgang mit Forschungsdaten in Ihrem Projekt?
(z.B. gibt es personenbezogene Daten nach DSGVO? Müssen Daten anonymisiert bzw. pseudonymisiert werden?) - Sind Auswirkungen oder Einschränkungen in Bezug auf die spätere Veröffentlichung bzw. Zugänglichkeit zu erwarten?
(z.B. darf ein Teil der Daten nur in einer Datenbank veröffentlicht werden?) - Auf welche Weise werden nutzungs- und urheberrechtliche Aspekte sowie Eigentumsfragen berücksichtigt?
(z.B. welche Nutzungslizenzen liegen vor? Wurde das Urheberrecht der gesammelten Daten betrachtet?) - Existieren wichtige wissenschaftliche Kodizes bzw. fachliche Normen, die Berücksichtigung finden sollten?
(z.B. werden Daten aus einem wissenschaftlichen Archiv verwendet? Gibt es Nutzungseinschränkungen?)
Datenaustausch und dauerhafte Zugänglichkeit der Daten
- Mit wem und wie werden Daten ausgetauscht?
(z.B. hat eine andere Forschungseinrichtung Zugriff auf die Daten?) - Welche Daten werden für die Nachnutzung bereitgestellt bzw. sind als Ergebnisnachweis wichtig?
(z.B. auf welchem Repositorium liegen die Datensätze und mit welchen möglichst offenen Tools kann man sie ansehen und weiterverwenden? Welche Nutzungslizenz bekommen sie?) - Planen Sie die Langzeitspeicherung bzw. Archivierung Ihrer Daten in einer geeigneten Infrastruktur?
(z.B. in einem digitalen Archiv oder einer Projektverwaltung wie GitLab? Gibt es Sperrfristen? Wann sind die Forschungsdaten für Dritte nutzbar?)
Verantwortlichkeiten und Ressourcen
- Wer ist verantwortlich für den adäquaten Umgang mit den Forschungsdaten?
(z.B. Beschreibung der Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb des Projekts) - Welche Ressourcen sind erforderlich, um einen adäquaten Umgang mit Forschungsdaten im Projekt umzusetzen?
(z.B. Hardware, Software, Personal, Lizenzen, Kosten, Zeit, …) - Wer ist nach Ende der Laufzeit des Projekts für das Kuratieren der Daten verantwortlich?
(z.B. für Veröffentlichung, Pflege und/oder Anfragen)
Die Veröffentlichung von Forschungsdaten
Wenn Sie einen Forschungsdatensatz veröffentlichen wollen, um zum Beispiel einen Nachweis für Forschungsergebnisse zu liefern oder neue Forschung mit diesem ermöglichen wollen, können Sie folgende Punkte durchgehen.
1) Ein geeignetes Fachrepositorium über re3data finden
Über die Plattform re3data.org finden Sie ein Register mit über 3000 eingetragenen Repositorien. Schauen Sie hier Anhand von Schlagwörtern zu Ihrem Fachgebiet, ob sie ein geeignetes Repositorium für Ihre Daten finden. Die Ergebnisse werden mit Qualitätsmerkmalen aufgelistet, wie ob vom Repositorium DOIs vergeben werden oder Nutzungslizenzen ausgewählt werden können. Sollten Sie dennoch kein geeignetes Fachrepositorium für Ihre Daten hier finden, dann gehen Sie zu Punkt 2.
2) NFDI-Fachkonsortien und Fachinformationsdienste
Die Nationalen Forschungsdateninfrastrukturen (kurz NFDI) haben Fachkonsortien gebildet, welche sich mit dem Umgang von Forschungsdaten in verschiedenen Fachgebieten beschäftigen. Hierzu wurden diverse Services entwickelt und ggf. können auch Repositorien zum Portfolio gehören. Schauen Sie also zu Ihrem passenden Fachkonsortium rein, welche Services angeboten werden oder lassen sich über vorhandene Infrastrukturen beraten. Parallel dazu existieren Sammelschwerpunkte zu Forschungsdaten in Deutschland, welche meist an bestimmten Bibliotheken aufgebaut wurden. Diese heißen Fachinformationsdienste (kurz FID) und werden auf der Webis-Seite der SUB Hamburg aufgeführt. Meist arbeiten diese schon mit den NFDI-Konsortien zusammen, dennoch finden Sie Ihr Fachgebiet als FID eventuell in der Liste und können die Betreiber über die Veröffentlichungsmöglichkeiten kontaktieren. Als letzte Möglichkeit, wenn Sie keine Fachdienste bei Schritt 1 und 2 gefunden haben, können Sie zu Punkt 3 gehen.
3) Generelle Repositorien und REFODAT
Haben Sie kein fachbezogenes Repositorium für ihre Forschungsdaten gefunden, so können Sie auch generelle Repositorien verwenden. Hier seien zuerst die Plattformen Zenodo und B2Share genannt, welche durch die EU finanziert werden. Als lokale Lösung steht Ihnen aber auch weiterhin das Repositorium für Forschungsdaten in Thüringen (kurz REFODAT) zur Verfügung. Dieses hat gegenüber den EU-Lösungen die Vorteile, dass größere Datensätze (>100GB) eingeliefert, nach bestimmten Qualitätskriterien (den FAIR-Prinzipien) bewertet und bereits veröffentlichte Datensätze registriert und mit Metadaten angereicht werden können. Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie auf der Webseite des TKFDM.
Im Allgemeinen sollten die publizierten Forschungsdaten, egal auf welchen Plattform sie liegen, zur möglichen Nachnutzbarkeit den FAIR-Prinzipien entsprechen. Eine ausführliche Erklärung, was die FAIR-Prinzipien bedeuten und wie ein Datensatz anhand von Ihnen evaluiert werden kann, kann im aufgezeichneten Workshop von FAIRify your Data angeschaut werden.